UNCOOL 2001
PRO HELVETIA !


EINSCHREIBEN

An die
Eidg. Rekurskommision
für die Stiftung PRO HELVETIA
Herrn Pius Buchmann, Präsident

Poschiavo, 9. April 2001

STELLUNGNAHME zur VERNEHMLASSUNG der PRO HELVETIA
REKURS
GESUCH UND WIEDERERWÄGUNGSGESUCH PRO HELVETIA
UNCOOL FESTIVAL OF INTERNATIONAL CONTEMPORARY MUSIC ASCENSION 2001 MAY 24 - 27 CAVRESC LE PRESE / LAGO DI POSCHIAVO - SVIZZERA - EUROPA

BUNDÌ SCIUR BUCHMANN !

Mit einigem Befremden haben wir die Stellungnahme der PRO HELVETIA (PH) zur Kenntnis genommen. Es werden doch massive Vorwürfe gegen die Person Cornelia Müller und unsere Arbeit erhoben, die – wie wir glauben – nicht gerechtfertigt sind und sich nicht decken mit den Auffassungen anderer: wir erhalten jede Menge Interesse, Zuspruch und Wertschätzung im Tal, im Kanton, im Inland und Ausland, von Laien, Fachleuten, Publikum, Prominenz. Es ist ein sehr tolles wunderbares Festival! Diese Aussage lässt sich vom 24.-27. Mai 2001 mit Leichtigkeit verifizieren.

Das UNCOOL Festival hat zum Ziel gerade Jazz, Free Jazz, Improvisierte Musik zu zeigen. Es ist Charles Gayle gewidmet und in diesem Sinne ein Streiflicht eines Portraits Afro-Amerikanischer Musik und Poesie. Es sind so herausragende Persönlichkeiten wie AMIRI BARAKA (alias LeRoi Jones, Black Arts Movement Ende 60er/Anfang 70er Jahre), FRED ADAMS und Marshall AllEn (Sun Ra Archestra), Andrew Cyrille, Roscoe Mitchell (Art Ensemble of Chicago), Alan Silva (Institut Art Culture Perception, Paris), Hans Reichel (Erfinder des Daxophons), Irène Schweizer, Pierre Favre... geladen - die Liste ist lang und unsere Wertschätzung für alle Musiker ist sehr gross. Es ist ein Programm, das Liebhaber dieser Musik absolut entzückt! Und somit uns ein Publikum aus dem Inland und Ausland garantiert.
Nicht ein einzelner Musiker “zieht” diesmal, sondern das gesamte Programm.

In diesem Zusammenhang möchten wir auf die Erfolgsrechnung verweisen, die der PH auch seit Sommer 1999 vorliegt. Die Abrechnung der biglietti musica erfolgte zusammen mit Herrn André Brunner, RhB Chur und ergab:
316 Festivalpässe (CHF 99.-) + 3 Jugendtickets (CHF 66.-) + 362 Tageskarten (CHF 39.-) wurden abgegeben/verkauft im Wert von CHF 45'600.-, davon als Freikarten (Quiz, VIP, Presse, einzelne Musiker), die alle auch zum Einsatz kamen: 150 Festivalpässe + 1 Jugendticket + 22 Tageskarten im Wert von CHF 15'774.-. Freitag und Samstag waren die Konzerte gut besucht und das Zelt mit Sitzplatz für 500 Personen rappelvoll. Donnerstag waren rund 300-400 Besucher anwesend. Zudem waren alle Hotels im Tal ausgebucht. Am free open air mit CHARLES GAYLE auf Alp Grüm zählten die Wirte des Bahnhofrestaurants über 300 Personen. Diese Informationen sind überprüfbar.
Die Informationen der Informanten der PH hingegen stimmen absolut nicht und sind irreführend.
Wir halten fest, dass die PH über UNCOOL 1999 urteilt, ohne vor Ort gewesen zu sein, also nicht wissen kann, wovon sie spricht und sich zudem ihre Informationen offensichtlich von unzuverlässiger Seite sucht. Die PH als Institution dürfte sich eigentlich kein Urteil erlauben, das auf Unkenntnis und Vorurteilen fusst.

Es versteht sich von selbst, dass das Programm von la ciaf, insbesondere vom künstlerischen Leiter gestaltet wird. la ciaf leistet die ganze Arbeit und trägt das finanzielle Risiko. la ciaf beruft sich auf ihre künstlerische Freiheit und garantiert musikalische Kompetenz: Das Programm wurde zu einem grossen Teil von den geladenen Musikern selbst gestaltet (CARTES BLANCHES). Nicht der Veranstalter denkt sich die Band aus, sondern der geladene Musiker entscheidet frei über seine Musik und wählt seine Mitspieler. Dass sich beispielsweise Irène Schweizer für ihr internationales Trio LES DIABOLIQUES entscheidet oder dass Caspar Brötzmann mit zwei in Berlin lebenden Schweizern Michael Wertmüller und Lieder auftreten wird, entzieht sich per definitionem dem Einfluss von la ciaf. Es ist ein Glücksfall – wie das gesamte Festival.

Wir stellen fest, dass die PH eine ganz andere Vorstellung der Programmgestaltung hat als wir.
1. Sie knüpft eine finanzielle Unterstützung an die Bedingung, dass sie das Programm – zumindest was die “Swissness” anbelangt – gestaltet. Ihre Mitsprache ist also unabdingbar für eine eventuelle finanzielle Förderung. Diese möglicherweise ungeschriebene Regelung ist so in den Statuten der PH nicht verankert.
2. Zudem ist die finanzielle Förderung von einer nicht näher definierten Schweizer Quote abhängig. Wer darunter liegt erhält keinerlei Förderung – auch wenn Schweizer am Projekt beteiligt sind. Auch diese Handhabung ist in den PH Statuten nicht enthalten.
Anscheinend gab es UNCOOL 1999 auch ein von der PH gefördertes “fragwürdiges CH-Projekt”: GREGOR HOTZ (CH, Berlin), HANS KOCH (CH, Biel), MARGRIT RIEBEN (CH, Bern), JASON KAHN (USA, Genf)! Worauf sich “fragwürdig” bezieht – auf Nationalität, Wohnort oder musikalische Akzeptanz – bleibt unklar.

Die PH möchte auch die Bands strukturieren. Sie geht davon aus, dass sie weiss wie Musik zu sein hat, welche Musikerkombinationen eine feines Orchester, resp. eine interessante Band abgeben. Sie wählt auch ein didaktisches Vorgehen in der Programmgestaltung, bedacht ein möglichst breites Angebot zu gewährleisten, Experimente, Free Jazz und Improvisierte Musik dann nur marginal zuzulassen. Die PH scheint auch zu wissen, was der Puschlaver Bevölkerung, was dem Laien zuzumuten ist und dies ist ihrer Ansicht nach nicht die freie Musik. Sie lässt dem Zuhörer dabei wenig Spielraum, Unbekanntes zu erfahren und zeigt sich selbst misstrauisch und abweisend einer absolut gefeierten Musik gegenüber wie sie am UNCOOL Festival gespielt werden wird. la ciaf verwahrt sich auf’s Entschiedenste gegen die Geringschätzung der ausländischen Gastmusiker wie sie in der Vernehmlassung der PH zum Ausdruck kommt.

Wir sagen: Hier ist ein tolles Festival, billige Eintrittspreise und gratis Umwelt schonende Reise auf der mega panoramischen Rhätischen Bahn. Wagt die Begegnung, kommt herbei und hört Euch diese wundersame Musik an. Vielleicht findet Ihr Gefallen. Vielleicht erlangt sie Bedeutung für Euch.

Wir arbeiten sehr sehr viel, um dieses Festival zu realisieren – weit mehr als es in einer Grosstadt mit zur Verfügung stehenden Strukturen notwendig wäre. Wir publizieren regelmässig ins Italienische übersetzte Biographien der Musiker im Il Grigione Italiano, der lokalen Wochenzeitung – die Artikel finden übrigens eine interessierte Leserschaft – wir organisieren Kontakte zwischen Musikern und Schule und bieten verschiedene Workshops an. Wir erarbeiten mit Lucia Gianoli (Sondalo, Italien) ein Web-TV Projekt für Kinder und Jugendliche (siehe Anlage).
Wir denken, dass dies alles durchaus unter KULTURVERMITTLUNG zu verbuchen wäre.

Übrigens interessiert sich das Erste Deutsche Fernsehen ARD für eine Kindersendung zum Kinder Workshop von JOHN EDWARDS, VERYAN WESTON und MARC SANDERS.

Gleichzeitig haben wir Schwierigkeiten finanziell unterstützt zu werden und wertvolle Zeit fliesst in diese Korrespondenz: Sponsoren sind inexistent, nationale Förderung ist fraglich. Unser Budget entspricht 10m x 50m Strasse. An der Strasse hegt niemand einen Zweifel, obwohl sie mit einigen Vorteilen und vielfältigen Nachteilen verknüpft ist: Sie bildet ein Verkehrsnetz zwischen den Menschen, kostet aber enorme Summen für Bau und Unterhalt, sie vermehrt das Verkehrsaufkommen, im Gebirge erhöht sie die Erosion und fördert indirekt Luftverschmutzung, Umweltbelastung und Treibhauseffekt, dies verbunden mit unkalkulierbaren Folgen und Kosten.
Ganz im Gegensatz zur Kultur und zum UNCOOL Festival: Wir zitieren den Bundespräsidenten der Schweizerischen Eidgenossenschaft Moritz Leuenberger, der wie er schreibt “mit Überzeugung”, das Patronat UNCOOL übernommen hat:
Es wäre ein Irrtum zu meinen, Politik sei einzig ökologische, soziale oder gesellschaftliche Arbeit. Politisch handelt ebenfalls, wer sich kulturell engagiert. Denn Kultur bringt Menschen miteinander in Kontakt, setzt Ideen und Energie frei, schafft Identität und ermöglicht Verwurzelung. Wie die Schweizer Politik Wert darauf legt, jedem Teil des Landes den Zugang zum Bahn-, Strom-, Strassen- und Telefonnetz zu ermöglichen, sind wir auf Menschen angewiesen, die an einer weit gefächerten, allen offenen Kultur-Infrastruktur bauen helfen. La ciaf tut dies. Und so mag das Puschlav vielleicht zu den Randregionen der Schweiz gehören, mit dem Uncool-Festival wird es für ein paar Tage zur Metropole.

An dieser Stelle betonen wir nochmals die krasse Diskrepanz zwischen der Einschätzung der PH und derjeniger verschiedener Personen und Institutionen: Hinter la ciaf und UNCOOL 2001 stehen der Bundespräsident Moritz Leuenberger, die Kulturkommission des Kantons Graubünden, Regierungsrat Claudio Lardi, die Gemeinde Poschiavo, Podestà Guido Lardi, die Gemeinde Brusio, Sindaco Rodolfo Plozza, die Pro Grigioni Italiano, die Comunità Montana Tirano, Città di Tirano, die Gemeinde Tirano, Sindaco Giordano Rossi, die Provinz Sondrio, Senator Tarabini, die Rhätische Bahn, das Centro Culturale Svizzero, Direktor Chasper Pult, das Radio della Svizzera Italiana – Rete 2, verschiedene nationale und internationale namhafte Musikkritiker und Journalisten (siehe Pressedokumentation 1999), die sehr positiv über UNCOOL 1999 berichtet – “Il Miracolo Elvetico della Piccola Poschiavo!” Gianpiero Cane, il manifesto 21.5.1999 – und sich diesmal bereits frühzeitig angemeldet haben, die Volkart Stiftung, Sophie und Karl Binding Stiftung, ferner die Embassy of the United States of America, die Verkehrsvereine Poschiavo und Tirano, der Bio Bauer Reto Raselli, Die Post Poschiavo, Il Grigione Italiano, zahlreiche Helfer, Förderer und Unterstützer und der kleine, aber wachsende Fanclub ......

Auch fällt auf, dass die PH keine Namen nennt, weder bei den Zitaten, noch bei den “übereinstimmenden Anwesenden”, deren Aussage schlichtweg gelogen ist. Die Aneinanderreihung anonymer Zitate ist durchaus unkonventionell.

Wir verweisen auf den Rekurs, das Gesuch und das Wiedererwägungsgesuch, wo vieles bereits formuliert wurde, was an Entgegnungen an die Adresse der PH hier wiederholt werden könnte. Stichwortartig einige Bemerkungen:
+ Unser Interesse gilt der Musik und nicht der Nationalität der Musiker. Die Tatsache, dass eine Auswahl getroffen wird, ist grundsätzlich ungerecht, stellt aber in keiner Weise ein Werturteil dar. Dies wird uns allerding von der PH mit der Formulierung “Ohrfeige für die hiesige Szene“nahe gelegt.
+ Das Programm ist excellent. Das ist auch notwendig, denn wir möchten jede Menge Publikum aus Europa ans Festival locken, das bei einem weniger konzisen Programm möglicheweise nicht kommen würde. Selbst die Puschlaver sind aus den verschiedensten Gründen an diesem aussergewöhnlichen Festival interessiert und schätzen unseren Einsatz.
+ Die “20köpfige US-Band” ist keine “Ohrfeige”, sondern ein “ Orchester himmlischer Kommunikation”, deren Leiter ALAN SILVA seit Jahrzehnten in Europa lebt und in Paris pionierhaft das ‘Institut Art Culture Perception’ (IACP) aufbaute. Im Celestrial Communication Orchestra spielen beispielsweise so herausragende Musiker wie Marshall AllEn, der seit dem Tod von Sun Ra das Sun Ra Archestra leitet, eins der grossartigsten Bigband Formationen der Jazzgeschichte. SPACE IS THE WAY. Der geneigte Leser findet ausreichend Informationen zu den Biographien der geladenen Musiker in unserem Exposé und in den News 11/00 sowie im Internet auf unserer neugestalteten WEB www.uncool.ch und kann sich von der Qualität des Festivals überzeugen. Auch kann der Film AL VIAC von GÖTZ ROGGE / Musik von OLAF RUPP abgeladen werden.
+ Trentino grenzt ans Münstertal, das Puschlav ans Veltlin, an die Lombardei und la ciaf möchte gerne Publikum aus ganz Italien. Deshalb findet am 23.4. im Centro Culturale Svizzero Milano eine Pressekonferenz und die Vorführung des Kurzfilms AL VIAC statt, gefolgt von einem Solokonzert von Olaf Rupp acoustic + electric guitar statt. Ähnliche Veranstaltungen sind geplant am 24.4. in Genf Cave 12, 26. in Tirano, 5.5. in Chur Hotel 3 Könige.
UNCOOL 2001 erhielt auch die Schirmherrschaft der Provinz Sondrio.
la ciaf versteht sich als grenzübergreifende kulturelle Unternehmung und praktiziert eine sehr gute Zusammenarbeit mit verschiedenen italienischen Institutionen.

Wie wir bereits im Rekurs ausgeführt haben, basiert das Budget (siehe Anlage) tatsächlich auf den Erfahrungswerten des letzten Festivals und ist deshalb in einigen Punkten auch teurer budgetiert, als dies 1999 der Fall war. Allerdings kann sich das Budget verringern, falls:
- der Dollarkurs sinkt,
- die Übernachtungen für die Musiker im Tal verbilligt oder geschenkt werden,
- die Verhandlungen mit Continental Airways oder Swissair günstige Flüge ergeben,
und weil die RÄTIA ENERGIE als Sponsor ausgefallen ist, wurde das Leporello entsprechend redimensioniert.
Gründe, die nicht vorhersehbar / budgetierbar waren und sich im Laufe von Verhandlungen in letzter Zeit ergeben haben.
la ciaf ist auch der Auffassung, dass das Budget korrekt erstellt wurde. Auch liegt die budgetierte (vermutlich ausbleibende) Bezahlung unserer Arbeit gemessen am Aufwand, weit hinter den in der Schweiz üblichen Löhnen zurück.
Das Festival feiert gerade mal seinen zweiten Geburtstag und verfügt deshalb noch nicht über eine stabile, verlässliche Finanzierung wie dies vielleicht für andere Festivals der Fall ist, die seit 20 oder 25 Jahren existieren.
Wie bereits früher ausgeführt, werden mit den aus Subventionen und Einkünften des Festivals erhaltenen Geldern zuerst die Gagen bezahlt, die den Forderungen der Musiker vollumfänglich entsprechen, dann alle andern Rechnungen wie beispielsweise Übernachtung und Verpflegung, Instrumentenmiete, Ton- und Lichttechnik, Zeltmiete, Druckkosten, Inserate, Büroaufwand, verschiedene Helfer etc. und aus dem allenfalls verbleibenden Geld unsere Arbeit (Künstlerische Leitung, Organisation, Redaktion, Graphik, Internet, Übersetzung, Buchhaltung). Die uns durch die PH implizit unterschobene Annahme der ungerechtfertigten Bereicherung durch das Festival entbehrt jeglicher Substanz.

la ciaf ist der Ansicht, dass die PH zumindest ihre finanzielle Unterstützung für die beteiligten Schweizer (“Swissness”), für die Randregion und die kulturelle Vermittlung sprechen könnte – im Sinne einer demokratischen Förderung – statt des Boykotts. Auch wäre eigentlich denkbar, dass sie unsere Arbeit als Verein la ciaf unterstützen würde.

Es ist nicht so, dass nicht-helvetische Musik schlecht für Schweizer und Schweizer Musik gut oder umgekehrt wäre. Es ist so, dass jede Musik ihr Publikum hat, geliebt und gehört wird. Musik unterliegt nicht nationalen Kriterien, – selbst Volksmusik nicht, die durchaus im und ausserhalb des Puschlavs stattfindet und gepflegt wird – sondern entwickelt sich in alle nur denkbaren Richtungen und Traditionen. Musik ist ein Material – ebenso wie die Sprache und die Phantasie, artikuliert sich wo immer ihr Raum und Gehör geschenkt wird – sie ist frei.
Die Frage stellt sich nun:
MUSS DIE MARGINALE EINGEBORENENSCHAFT VOR DEN KULTURELLEN ERRUNGENSCHAFTEN DES 20. JH. GESCHÜTZT WERDEN ?
Was also ist Jazz ?
Wir zitieren aus der CONCURRENT RESOLUTION 57 (siehe Anlage), die 1987 vom amerikanischen Repräsentanten Haus als auch vom Senat übereinstimmend angenommen wurde und JAZZ zum seltenen und wertvollen nationalen amerikanischen Schatz erklärt – “Jazz as a rare and valuable national American treasure”.
Und la ciaf bringt nun funkelnde Splitter dieses Schatzes mit dem UNCOOL FESTIVAL zur Aufführung.

Die Resolution 57 beginnt mit den Worten:
“Da Jazz herausragende Bedeutung auf der ganzen Welt als eine eingeborene amerikanische Musik und Kunstform erlangt hat, die diesem Land und der Welt durch die afro-amerikanische Erfahrung eine einmalige amerikanische musikalische Synthese und Kultur vermittelt -- “
Sie beschreibt JAZZ als “ausserordentliches künstlerisches Modell des individuellen Ausdrucks und der demokratischen Kooperation innerhalb des kreativen Prozesses”. Sie definiert JAZZ als eine “einende Kraft, die kulturelle, religiöse, ethnische und Alters- Unterschiede in der Gesellschaft überbrückt”. JAZZ ist eine Musik, die sich zu einer “facettenreichen Kunstform entwickelt hat, die neue stilistische Idiome und kulturelle Verschmelzungen zur Welt bringt und nährt” und einen “historischen, durchdringenden und fortgesetzten Einfluss auf andere Musikgenres über alle Landesgrenzen hinweg ausübt”. JAZZ ist zu einer “wahren internationalen Sprache geworden, die von Musikern auf der ganzen Welt aufgegriffen wird als eine Musik, die bestens geeignet ist, die zeitgenössischen Realitäten von einer persönlichen Warte aus auszudrücken”.

Aufgrund der diesjährigen Erfahrung mit der PH und in Kenntnis der ausserordentlich schwierigen Situation für die meisten Kulturschaffenden, kommt la ciaf zum Schluss, dass die Verwaltung und Verteilung von Staatsgeldern zur Förderung von Schweizer Kulturschaffenden im In- und Ausland und/oder von kulturellen Projekten in der Schweiz DEMOKRATISCH und NEUTRAL gelöst werden muss.

Als Denkanstoss könnte folgendes Modell greifen:
PH NEUTRAL
1. Es wird eine Defizitgarantie gesprochen.
2. Der durch die nationale Stiftung allenfalls geleistete Betrag errechnet sich aus beispielsweise 20% der effektiven Ausgaben.
3. Das bedingt, dass der kulturelle Beitrag nachweislich vom Antragsteller geleistet wurde.
4. Und dass eine Abrechnung vorgelegt wird, die dann vergleichsweise leicht überprüft werden kann.
5. Das subjektive Werturteil entfällt und damit die Behinderung von Kultur.
6. Die Fördermittel entsprechen dem kulturellen Bedarf.
7. Für den Geförderten bedeutet dies, dass er seine Kreativität und Energie für die künstlerische Produktion einsetzen kann.

Wir bedauern zutiefst, dass die PH kein einziges positives Element an unserem Projekt finden kann. Dennoch bitten wir die Rekurskommission sich von der Richtigkeit unserer Beschwerde zu überzeugen und uns zu einem dringend benötigten nationalen Finanzbeitrag zu verhelfen.

l a c i a f heisst der in SAALFELDEN (Österreich) am 29.8.1998 gegründete Verein mit Sitz in Poschiavo (Schweiz) ––– Europa.
l a c i a f bedeutet im Puschlaver Dialekt Schlüssel. POSCHIAVO trägt zwei gekreuzte Schlüssel in seinem Wappen. Und Schlüssel bestimmen auch die notierte Musik. Die Musik selbst ist ein geheimnisvoller Schlüssel und in diesem Sinne öffnet l a c i a f mit dem UNCOOL JAZZ-FESTIVAL ungeahnte und vielfältige Möglichkeiten. (Aus den Statuten von la ciaf)

MUSIC IS THE HEALING FORCE OF THE UNIVERSE (ALBERT AYLER)

A bon sa vedé a Pus’ciaf!
la ciaf
Cornelia Müller und Cassiano Luminati



EIDGENÖSSISCHE REKURSKOMMISSION FÜR DIE STIFTUNG PRO HELVETIA
GENERALSEKRETARIAT
DES EIDGENÖSSISCHEN DEPARTEMENTS DES INNERN
3003 BERN

Poschiavo, 25. Januar 2001

REKURS
GESUCH UND WIEDERERWÄGUNGSGESUCH PRO HELVETIA
UNCOOL FESTIVAL OF INTERNATIONAL CONTEMPORARY MUSIC ASCENSION 2001 MAY 24 - 27 CAVRESC LE PRESE / LAGO DI POSCHIAVO SVIZZERA EUROPA

BUNDÌ SCIURI!

la ciaf – der Schlüssel im Puschlaver Dialekt – ist der non-profit Verein für internationale zeitgenössische Kultur im Puschlav. Die Initianten und Vorstand/Aktivmitglieder von la ciaf sind: Dr. Cornelia C. Müller (Poschiavo, Berlin), Cassiano Luminati (Poschiavo, Milano), Araldo Luminati (Poschiavo, Bologna), Jon Armon Famos (Samedan, St. Gallen), Dr. Diego Rinallo (Milano, Canicatti). la ciaf organisiert im Puschlav und im angrenzenden Teil des Veltlins das wunderschönste “Festival of Mountains” – eine Namensgebung von CHARLES GAYLE, dem das diesjährige Festival gewidmet ist. Neben UNCOOL Festival of International Contemporary Music 2001 www.uncool.ch (Exposé, News 11/00 12/00, Karten, SOS 5.1.2001/S17), das in Realisierung begriffen ist, projektieren wir auch ein internationales zeitgenössisches Kultur- und Jugendzentrum in der FABBRICA RAGAZZI, Poschiavo.

1999 realisierte sich das erste UNCOOL Jazz Festival (Programmheft, Sonderdruck Il Grigione Italiano) das dem Pianisten CECIL TAYLOR gewidmet war, mit grossem Erfolg.
Im Jubeljahr 2000 am 2.6. spielte der Bündner FreeJazzer WERNER LÜDI† mit PETER BRÖTZMANN und SHOJI HANO in Poschiavo und im Herbst OLAF RUPP und das EXTREAME QUARTET: LOL COXHILL, HUGH METCALFE, JIM LE BAIGUE, MIKE WALTER (http://www.landscape.it/viceversa/concerti/cornelia2000.htm ).

REKURS
Für UNCOOL 1999 und UNCOOL 2001 (Gesuch vom 9.10.2000) hat la ciaf im Zuge der Festivalabsicherung bei der Stiftung PRO HELVETIA ein Gesuch um finanzielle Unterstützung eingereicht. 1999 erhielten wir eine Defizitgarantie über CHF 8000.-, diesmal eine Ablehnung des Gesuchs (Schreiben vom 7.11.2000). Aufgrund des Inhaltes der Begründung des negativen Bescheids der PRO HELVETIA und auf Anraten von Silva Semadeni, Madrina des Festivals 1999, hat la ciaf ein Wiedererwägungsgesuch (Wiedererwägungsgesuch vom 24.11.2000) mit einer ausführlichen Begründung und einer Widerlegung der vorgebrachten Kritik eingereicht. Dieses zweite Gesuch wurde nun auch abgelehnt (Schreiben vom 4.1.2001), ohne dass sich die PRO HELVETIA auf unsere Stellungnahme bezog. Der Fussnote des Schreibens entnehmen wir die Belehrung, dass gegen den Entscheid der PRO HELVETIA innerhalb von 30 Tagen Beschwerde eingereicht werden kann, was wir hiermit fristgerecht tun.
In unserer Antwort vom 9.1.2001 an den Direktor der PRO HELVETIA haben wir um eine schriftliche Begründung des Entscheids gebeten. Im Schreiben vom 15.1.2001 des Direktionssekretariats der PRO HELVETIA wird uns mitgeteilt, dass der Leiter der Abteilung Musik, Dr. Thomas Gartmann mit der Stellungnahme beauftragt wurde.

Im Namen von la ciaf reichen wir bei der Rekurskommission für die Stiftung PRO HELVETIA Beschwerde gegen die (fortgesetzte) Ablehunung unseres Gesuches um finanzielle Unterstützung für das UNCOOL Festival 2001 durch die PRO HELVETIA ein.
Kopien des Briefwechsels befindet sich in der Anlage.

BEGRÜNDUNG
Es geht hier um KULTUR in der SCHWEIZ – genauer im Pus’ciavin sprecheden, italienisch und mehrsprachigen Südostzipfel der Schweiz.
Das allumfassende totale NEIN der Stiftung PRO HELVETIA richtet sich nicht nur gegen eines der schönsten Festivals des Jazz, Free Jazz und der Improvisierten Musik und gegen ein innovatives, wagemutiges Team, das sicher ungewohnte, aber nichts desto trotz sinnvolle und rücksichtsvolle Wege geht – zum Beispiel Ökologie zum Nulltarif auf dem gesamten Schienennetz der Rhätischen Bahn – sondern der negative Entscheid der PRO HELVETIA richtet sich ebenso gegen einen gerade noch zur Schweiz gehörenden Appendix, ein Tal am Fuss von Piz Palü, Varuna und Sassalbo, gegen die vitalen Interessen der Gemeinden Poschiavo Brusio Tirano und des Kantons Graubünden und gegen alle, die in vielfältiger Weise zum Gelingen des Puschlaver Festivals beitragen.

Es ist dies ein gravierender Entscheid von erheblicher Tragweite:
WIR KÖNNEN UNCOOL 2001 KAUM KOSTENDECKEND (die Managementkosten nicht gerechnet) VERANSTALTEN OHNE EINEN SUBSTANTIELLEN NATIONALEN BEITRAG, OHNE DIE FÖRDERUNG DURCH DIE STIFTUNG PRO HELVETIA.

Wir sind der Ansicht, dass unser Gesuch nicht verstanden wurde.

Wir entnehmen dem Schreiben vom 4.1.2001 des Direktors Dr. Bernard Cathomas, dass die Ablehnung des Wiedererwägungsgesuches “auf Antrag der betroffenen Fachgruppen” und vermutlich nicht aufgrund eines Studiums unserer “Akten” von Seiten einer unvoreingenommenen Instanz erfolgte. Da es sich aber um die Wiedererwägung unseres Gesuches handelt, wäre zu erwarten gewesen, dass sich der Leitende Ausschuss und der Direktor selbst eine eigene Beurteilung erarbeiten und gerade nicht auf die Fachgruppen zurückgreifen, die bereits unser erstes Gesuch abgelehnt haben und ihre Meinung – aus welchen Gründen auch immer – nicht änderten.
Es ist uns nicht bekannt, ob der Leitende Ausschuss und der Direktor überhaupt über unsere Unterlagen verfügten. Es wurden bei uns keine weiteren als die von uns gesandten Unterlagen angefordert.

Unsere Argumente im Wiedererwägungsgesuch, die sich an den Richtlinien der PRO HELVETIA orientieren und alle Einwände von Seiten der Fachgruppen entkräftet haben, wurden im Schreiben der PRO HELVETIA vom 4.1.2001 nicht kommentiert und vielleicht auch nicht zur Kenntnis genommen, denn sonst hätte mit einer anderen Haltung gerechnet werden dürfen.
Das Schreiben des Direktionssekretariats vom 15.1.2001 informiert uns, dass Dr. Thomas Gartmann, Abteilung Musik, mit der von uns geforderten Stellungnahme beauftragt wurde und bestätigt somit die Vermutung, dass sowohl Gesuch wie Wiedererwägungsgesuch von derselben Person / denselben Personen begutachtet und abgelehnt wurden.
Aufgrund der von Anfang an negativ beurteilenden Haltung der betreffenden Person/Personen in Sachen UNCOOL 2001, müsste/müssten sie – nach unserem Rechtsempfinden – als befangen gelten bei der Beurteilung unseres Wiedererwägungsgesuches.
Dem Schreiben von Direktor Dr. Cathomas vom 4.1.2001 können wir keinerlei Argumente entnehmen, die auf eine echte Wiedererwägung schliessen lassen. Wir sehen uns veranlasst anzunehmen, dass es sich eher um die Bestätigung eines bereits bestehenden Urteils, möglicherweise eines Vorurteils oder einer desinteresierten Einstellung zur internationalen zeitgenössischen Musik wie sie UNCOOL mit grossem Zuspruch und Publizität veranstaltet, handelt.
Eine WIEDERERWÄGUNG unseres Gesuches hat im eigentlichen Sinn des Wortes von NEUBEURTEILUNG nicht stattgefunden.

Es scheint, dass das Hauptaugenmerk der PRO HELVETIA weniger auf dem Programm als auf dem Budget ruht – einer mehr oder weniger groben Schätzung der maximalen Kosten, die sich durchaus vermindern können (z.B. die Fluktuation des Dollars wirkt sich unmittelbar auf die Kosten aus, Gratisleistungen der Hotelerie und Rabatte für Flüge sind in die Kalkulation nicht einbezogen oder die mögliche Redimensionierung gewisser Ausgaben bei Ausbleiben von Sponsoren ist ebenfalls nicht budgetiert).
Im Vergleich zu der uns unverständlichen Ablehnung von UNCOOL 2001 hat die PRO HELVETIA nicht gezögert, sich mit CHF 300’000.- im prominenten Nachbartal am 2,2 Mio Budget des 10-tägigen Festes der Künste, St. Moritz zu beteiligen (SOS 12.8.2000), das 3000 Besucher und 5000 Wanderer zählte (SOS 12.8.2000).

Auch wurde unser zweiter Antrag trotz Feiertage beinahe im Eiltempo erledigt – bei den Turbulenzen, die laut Presse (NZZ 11.1., Bund 11.1., TA 10.1., SOS 8./11./12./13.1.) in den Strukturen der PRO HELVETIA herrschen, wohl doch eher oberflächlich!
Die PRO HELVETIA – die etliche sogenannte “umstrittene Entscheide” (DRS 1, Abendnachrichten 10.1.2001) gefällt hat, d.h. inkompetente Entscheide – hält es für unnötig dieses herausragende, innovative, transnationale, vom Umweltschutz beseelte, in der Schule engagierte, internationale Projekt UNCOOL 2001 zu fördern.
Im Ausland gilt UNCOOL als wichtiges Schweizer Festival neben Willisau, Taktlos, Lugano, Montreux…

Unser Gesuch / Wiedererwägungsgesuch wurde aus unserer Sicht nicht mit der notwendigen Seriosität und Sorgfalt beurteilt. Die Entscheidung ist in diesem Sinn willkürlich.

ÖFFENTLICHES INTERESSE
UNCOOL wurde und wird in den Medien sehr positiv besprochen – siehe Pressedokumentation und Artikel in der SüdOstSchweiz vom 5.1.2001. Auch bestehen bereits Anfragen für Interviews. Unsere Web site wird im Schnitt in den letzten Monaten von über 1000 Personen besucht, etliche davon sind regelmässige Besucher. Und wir erhalten täglich Angebote von Musikern für Konzertauftritte.

la ciaf wird Ende April auf Einladung von Chasper Pult im Centro Culturale Svizzero Milano – Zweigstelle der PRO HELVETIA – das UNCOOL Festival 2001 dem Publikum und den Medien vorstellen. Es wird der von la ciaf produzierte 6minütige Film AL VIAC (DIE REISE) von Götz Rogge, Musik von Olaf Rupp gezeigt und zu einem Solokonzert von Olaf Rupp eingeladen.
Der Film AL VIAC wurde zur Teilnahme am XXVI INTERNATIONAL TOURIST FILM FESTIVAL (www.actl.it) ausgewählt, das am 14.–19. Februar 2001 in Mailand, Spazio Oberdan, stattfindet.

Silva Semadeni, Mitglied des Stiftungsrates der PRO HELVETIA, schreibt uns folgendes:
“Sono costernata della decisione di PH. Non avrei mai immaginato un esito simile, mai e poi mai. Sono profondamente delusa. (…) Se vedo l'ottimo lavoro che svolgete, se vedo tutta la fantasia che sviluppate, se vedo come cresce il progetto: Ah, che rabbia mi invade nei confronti di chi non è capace di capire e di far crescere questa manifestazione biofila ed eccezionale!”

Wir erlauben uns den REKURS und später auch IHRE ANTWORT im Internet auf unserer Web site zu veröffentlichen, denn die Diskussion um Förderung oder Boykott des UNCOOL Festivals 2001 durch die aus Steuergeldern finanzierte Stiftung PRO HELVETIA betrifft weit mehr Personen als nur gerade uns. Die PRO HELVETIA hat mit ihrer zweimaligen Ablehnung einer finanziellen Unterstützung von UNCOOL 2001 einen weitreichenden diskriminierenden politischen Entscheid gefällt.

A bon sa vedé


la ciaf
Dr. Cornelia Müller und Cassiano Luminati

PS
Heute, 25.1.2001, hat uns die angeforderte Stellungnahme der PRO HELVETIA (vom 16.1.2001) erreicht, die über weite Teile identisch mit der ersten Absage unseres Gesuchs (vom 7.11.2000) ist. Neues konnten wir daraus nicht entnehmen.

ANLAGEN:
Kopie Gesuch für UNCOOL 2001 vom 9. Oktober 2000
Kopie Negativer Bescheid der PRO HELVETIA vom 7. November 2000
Kopie Wiedererwägungsgesuch vom 24. November 2000
Kopie Negativer Bescheid der PRO HELVETIA vom 4. Januar 2001
Kopie Anfrage Stellungnahme vom 9. Januar 2001
Kopie Antwort der PRO HELVETIA vom 15. Januar 2001
Kopie Antwort der PRO HELVETIA vom 16. Januar 2001
UNCOOL Dokumentationen
Programmheft UNCOOL 1999, SONDERDRUCK Il Grigione Italiano 1999 Pressedokumentation 1999
Exposé UNCOOL 2001 und Budget, UNCOOL News 11/00, 12/00
Postkarte mit Ankündigung UNCOOL 2001, Postkarte mit Programm 2001
Artikel über UNCOOL 2001 in der SOS vom 5.1.2001




Poschiavo, 9 gennaio 2001

BUNDI SCIUR DIRETUR CATHOMAS !

Besten Dank für Ihr Schreiben vom 4.1.2001. Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Schweizer Kulturstiftung PRO HELVETIA das UNCOOL Festival of International Contemporary Music nicht unterstützt. Wir bedauern sehr, dass Sie, der Leitende Ausschuss des Stiftungsrates, die Fachgruppen diese für uns unverständliche und folgenschwere Entscheidung getroffen haben und laden Sie alle ein, UNCOOL 2001 vom 24. bis 27. Mai live zu erleben (biglietto musica mit freier Fahrt auf der Rhätischen Bahn CHF 120.-).

In unserem Wiedererwägungsgesuch haben wir alle von Ihren Kollegen Gartmann und Rohrbach vorgebrachten Einwände detailliert beantwortet und entkräftet. Wir bitten Sie daher, Ihre Gründe für die totale Ablehnung des Festivals und unserer Arbeit darzulegen und zu unserer formulierten Darstellung Stellung zu beziehen. Wir legen Ihnen unsere bisherigen Festivaldokumentationen bei.

Zu Ihrer Information: Wir stehen seit Herbst 1998 in persönlichem, telefonischem und schriftlichem Kontakt mit der PRO HELVETIA und haben bereits im Sommer 1999 UNCOOL 2001 und unser Gesuch um Unterstützung angekündigt. Bisher bestand offensichtlich von Seiten der PRO HELVETIA bedauerlicherweise keinerlei Bedarf, uns zu einem persönlichen Gespräch einzuladen.

Wir bedauern es ausserordentlich, dass die PRO HELVETIA als nationale Kulturstiftung keinerlei Interesse an der internationalen/nationalen Musik Avantgarde zeigt, wie sie la ciaf mit grossem Zuspruch organisiert und zudem eine Musik von beglückender Schönheit und unsterblicher Bedeutung boykottiert.

MUSIC IS THE HEALING FORCE OF THE UNIVERSE (ALBERT AYLER)

A bon sa vedé!

la ciaf
Cornelia Müller und Cassiano Luminati



An
Pro Helvetia
Abteilung Musik
Herr Thomas Gartmann
Herr Steff Rohrbach
Hirschengraben 22
8024 Zürich

Kopien an
Visuelle Künste
Herr Rudolf Velhagen

Kulturvermittlung
Frau Margrit Bürer

Réseaux-Sud-Nord, Réseaux-Est-Ouest
Herr Thomas Laely

Madrina UNCOOL 1999
Silva Semadeni

Poschiavo, 24. November 2000

WIEDERERWÄGUNGSGESUCH
PRO HELVETIA – VIVA LA DIVERSITÀ

Bundì Sciur Gartmann!
Bundì Sciur Rohrbach!
Bundì Sciur Velhagen!
BundÌ Sciura Bürer!
Bundì Sciur Laely!
Bundì Sciura Semadeni!

Bundì a tüc quanc!

Danke für Ihren ablehnenden Bescheid, der es uns jetzt erlaubt frei und assoziativ Ihnen das Festival nochmals schmackhaft zu machen und Ihren aufschlussreichen Brief möglichst detailliert zu beantworten. Wir weisen nochmals auf unser Gesuch hin vom 9.10.2000, das die wesentlichen Punkte ausformuliert enthält.

Wir stellen hiermit ein WIEDERERWÄGUNGSGESUCH aufgrund der nachfolgend formulierten Einwände und neuen Erkenntnisse.

IM ALLGEMEINEN
Alle im folgenden zitierten Richtlinien der Pro Helvetia sind auf die Vorhaben und Tätigkeiten von la ciaf / UNCOOL zutreffend und anwendbar.

Förderung – Dialog – Austausch
(…) Heute stehen andere Aufgaben im Vordergrund der Stiftungstätigkeit: Kulturförderung, Kulturdialog und Kulturaustausch prägen die Aktivitäten von Pro Helvetia, die in der Schweiz und im Ausland stattfinden. (…)
Pro Helvetia fördert kulturelle Initiativen und kulturellen Austausch im In- und Ausland gemäss dem Gesetz von 1965.
Dieses Gesetz sieht vier Zielsetzungen vor:(…)
• die Pflege der kulturellen Beziehungen mit dem Ausland

Kulturförderung in der Schweiz – heute
(…) Darüber hinaus wird zeitgemässe Kulturpolitik achtsam sein gegenüber nivellierenden Tendenzen der Massenmedien und allgemeiner der Freizeitindustrie. Sie wird zudem Ausdruck sein eines fortgesetzten Bemühens der modernen Schweiz, einen Beitrag an die kulturelle Entwicklung Europas zu leisten. (…)

Musik
Schweizer Musik kann von Pro Helvetia unterstützt werden durch:
Inland
(…) •Defizitgarantien
für Konzerte, die dem kulturellen Austausch zwischen Regionen und Kulturen dienen und zeitgenössische Schweizer Werke enthalten. Im Bereich Pop und Jazz können Clubs und weitere Organisationen unterstützt werden, die sich dem kontinuierlichen Austausch zwischen Regionen und Kulturen verpflichten und über Qualität, Renommee, Infrastruktur und Publikum verfügen. (…)

(…)Pro Helvetia unterstützt qualitativ überzeugende Projekte, die eine sinnstiftende, bewusstseins- und identitätsbildende Zielsetzung verfolgen. Die Projekte sollen einer breiten Bevölkerung zugänglich sein, oder – mit spezifischer Zielrichtung – auf Regionen mit eingeschränkter kultureller Infrastruktur beziehungsweise auf Bevölkerungsgruppen mit erschwertem Zugang zu Strukturen und Ressourcen der kulturellen Erwachsenenbildung oder der Soziokultur ausgerichtet sein.
Insbesondere fördert sie:
(…) • Angebote, die benachteiligten Gegenden oder Bevölkerungskreisen zugute kommen;
(…) • innovative, modellhafte Vorhaben mit Impulswirkung (Pilotprojekte).

Auch aufgrund Ihrer Wegleitung / Ihres Leitbildes können wir keine Gründe entdecken, die gegen eine substanzielle Förderung von la ciaf und UNCOOL sprechen.

Wir zitieren aus Ihrem Leitbild, das in keinem Widerspruch zu unserer Arbeit steht:

Vorbemerkungen
Dem Selbstverständnis der Gruppe V liegt ein breit gefasster Kulturbegriff zugrunde, wie ihn Europarat und Unesco formuliert haben:(…)

(...) Vorwegzunehmen ist, dass das Nebeneinander eines enger und eines breiter gefassten Kulturbegriffes bei der Pro Helvetia eine Realität ist, wobei die Grenzen als fliessend betrachtet werden. Auch Kulturvermittlung geht davon aus, dass unterschiedliche Kulturbegriffe bestehen -immer und überall-, und sie macht diese zum Inhalt. Vermittlung wird dabei verstanden als das Ermöglichen von Begegnung und Respektierung eines unterschiedlichen Kulturverständnisses, ohne die Unterschiede zu verwischen. Ziel ist sowohl die Aufwertung der Kultur des Alltags als auch die Förderung des Zugangs breiter Bevölkerungskreise zu etablierter Kultur, um erfahrbar zu machen, was das eine (die Kultur des Alltags) mit dem anderen (der etablierten Kultur) zu tun hat. (...)

3) Zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Positionen vermitteln
Ein breiter Kulturbegriff geht von der Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung verschiedener kultureller Inhalte und Ausdrucksformen aus, unabhängig von regionalen, sprachlichen, nationalen, ethnischen, religiösen oder anderen Zugehörigkeiten. Kulturvermittlung hat deshalb auch die Aufgabe, zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen, Interessen und Anliegen zu vermitteln. Dabei kann die Intention der Vermittlung verschieden sein: Sie kann die freien Kräfte spielen lassen, begleitend aufnehmen und unterstützen, was ist, oder sie kann dort, wo Minderheiten nicht zum Zug kommen, wo das Spiel von Angebot und Nachfrage nicht funktioniert, eine aktivere Rolle einnehmen, mit dem Ziel ein Gleichgewicht zu schaffen. (...)

4) Zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen anregen
Ein breiter Kulturbegriff bezieht alles ein, was dem Individuum erlaubt, sich gegenüber der Welt, der Gesellschaft und auch gegenüber der heimatlichen Überlieferung zurechtzufinden (i.S. des Europarates). Kulturvermittlung ist deshalb auch zu verstehen als Anregung zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen bezüglich Sinn, Wert oder Gestaltung des persönlichen Lebens in einem sozialen, politischen oder kulturellen Zusammenhang. (...)

6) Schwergewicht auf Kommunikation und soziale Prozesse legen
Ein breiter Kulturbegriff - das geht aus den vorangehenden fünf Punkten hervor - richtet den Fokus nicht in erster Linie auf den Ort (verstanden als Produkt oder Ereignis), an dem es anzukommen gilt, sondern auf den Weg, der dorthin führt, und damit gleichzeitig auf Strukturen, die offene Kommunikationsprozesse ermöglichen. Kulturvermittlung legt folglich das Schwergewicht auf die Kommunikation und die sozialen Prozesse, und zwar bei der Entstehung, Veröffentlichung, Rezeption oder Bewahrung von Kultur. Mit der Wertsetzung auf Prozess-Qualität bildet die Kulturvermittlung eine Ergänzung zu künstlerischen Qualitätskriterien und ein Gegengewicht zur Tendenz in der Kulturindustrie, eine kreative Tätigkeit erst dann als Kultur zu akzeptieren, wenn sie in irgendeiner Form veröffentlicht wird oder als Ereignis stattfindet. Qualitätskriterien von Kulturvermittlung richten sich deshalb auch nach der Übereinstimmung von Zweck und Mitteln sowie Form und Inhalt. Gradmesser für Professionalität und Gehalt sozialer Prozesse ist die Fähigkeit, Reflexionen anzuregen, die zu neuen Ideen, innovativen Handlungsansätzen, Veränderungen von Lebensperspektiven führen - mithin Wertewandel bewirken ohne zu manipulieren. (...)

UNCOOL 1999 hat dies alles zur Genüge gezeigt - siehe Resoconto und Pressedokumentation (beigefügt) – und UNCOOL 2001 wird es neuerlich erweisen.

Auch entsteht bei uns der Eindruck, dass unser Gesuch und die eingereichte Dokumentation nicht hinreichend zur Kenntnis genommen oder verstanden wurde. Die PRO HELVETIA/Musik verfügt seit 1998 bis heute über das gesamte Dokumentationsmaterial:
• Postkarte, Plakat, Leporello, Programmheft, Resoconto, Pressedokumentation des Festivals UNCOOL 1999, ferner
• Postkarte und Flyer der Konzerte vom 2.6. und 25.9.2000 (http://www.landscape.it/viceversa/
concerti/cornelia2000.htm), und neuerdings
• Postkarte und Exposé des Festivals UNCOOL 2001.
Zudem bietet das Internet unter www.uncool.ch ebenfalls umfassende und updated Informationen an.

VISUELLE KÜNSTE
Jawohl, die Musik steht im Zentrum. Die andern Künste sind assoziiert , aber autonom.
Zudem täglich präsent und erfahrbar – die Videoinstallation in Poschiavo 10-17h, die sound installation am Weg zur Zeltstatt. Zudem entsteht eine exzellente Festivaldokumentation unter Mitarbeit von Musikern – u.a. ein Beitrag Werner Lüdi zu Les Diaboliques, Concurrent Resolution 57 (1987) - “… jazz as a rare and valuable national American treasure“(siehe Anlage).
UNCOOL ist KUNST.
Beispielsweise sammelt die Schweizerische Nationalbibliothek, Bern unsere Druckerzeugnisse.

KULTUR VERMITTLUNG
Als Ergänzung zum Exposé können wir Ihnen folgende News in Sachen KULTURVERMITTLUNG unterbreiten:

• Live streAming: Wir werden das Festival im INTERNET live übertragen können in Zusammenarbeit mit www.nolabel.de.
• Im Gespräch mit Frau Dott. Lucia Gianoli, Sondalo (Veltlin, I) ist auch ein TV Projekt mit Kindern/Jugendlichen aus der Region als offizielle Festival Berichterstatter mit Ausstrahlung über Privat und Staats TV in Italien und der Schweiz vorgesehen.
• Angebot Schule konkretisiert sich:
• Wie wird Musik gelernt ?
Durch Hören Beobachtung Kontakt Übung.
LIVE MUSIK
versus
TONTRÄGER
• DAS FESTIVAL BIETET DIE MÖGLICHKEIT MUSIK ZU ERFAHREN, KONTAKTE ZU KNÜPFEN UND ZU LERNEN
auch in WORKSHOPs zur Zeit 3 bis 4
• ANDREW CYRILLE und ev auch ROSCOE MITCHELL unterrichten während 3 Stunden 5-10 junge Menschen, die ein Instrument spielen.
• JOHN EDWARDS / VARYAN WESTON / MARC SANDERS
entwickeln während 2 1/2 Stunden mit 10 bis max 20 8-13 Jährigen ein improvisiertes Musikstück mit improvisierten Instrumenten, die in der Gegend zusammengesucht werden. Eine Kostprobe dieser Bemühungen werden am Festival vorgestellt.
• ALAN SILVA und einzelne Mitglieder des CELESTRIAL COMMUNICATIONS ORCHESTRA werden ebenfalls Workshops anbieten – noch nicht festgelegt.
• Betreuung für Kinder/Jugendliche, die zum Festival kommen wollen und begleitet werden müssen.
• Informationsrunde über das Festival mit Schülern der Region.
• Kontakt Musikschulen regional + CH – I.
• Vorbereitung Artikelserie auf italienisch im IL GRIGIONE ITALIANO, weit verbreitete unabhängige Wochenzeitung der Südbünden (seit 1852) ab 30. November 2000 alle vierzehn Tage, im Mai wöchentlich und Sonderdruck.
• Übrigens freier Eintritt für die SonntagKonzerte.
• Da das Festival offen strukturiert ist durch die Situation der Zeltstatt und die Beengtheit des Tales finden zahlreiche Begegnungen zwischen den anwesenden Menschen statt – ungeachtet ihrer Nationalität und ethnischer Zugehörigkeit.

Es ist klar, dass sich bei einer so vielfältigen Organisation fortlaufend Änderungen ergeben. ROLLENDE PLANUNG. Die Realisierung ist das Ende der Planung.

Für die Bewertung des Festivals ist ein AUGENSCHEIN sehr empfehlenswert, wenn nicht gar unerlässlich.

MARGINALE SCHWEIZ
Die Schweizer JAZZ Szene ist am Festival mit wenigen aber klasse Musikern vertreten.
Das UNCOOL Festival of International Contemporary Music bezieht sich auf die 60er Jahre. IRÈNE SCHWEIZER und PIERRE FAVRE sind in diesem Zusammenhang alles andere als marginal zu bezeichnen. Sie sind die perfekten Repräsentanten.
Konsterniert festzustellen, dass PRO HELVETIA Musiker wie IRÈNE SCHWEIZER und PIERRE FAVRE als zu marginal ablehnt - Musiker die weit über die CH Grenzen grosse Anerkennung gefunden haben. UNCOOL / la ciaf schätzt sich glücklich, die beiden CH-Jazz-Legenden der Puschlaver + Veltliner Bevölkerung nahe bringen zu können.
IRÈNE SCHWEIZER wird ihrem Wunsch entsprechend am UNCOOL Festival ihren runden Geburtstag mit einem Doppel Trio ihrer Wahl feiern: Freitag 25.5.2000 LES DIABOLIQUES und Samstag 26.5.2000 LA PIUMA LEGGERA.

Wir begrüssen es, dass die PRO HELVETIA explizit Musiker Künstler Literaten Filmer Theatermacher Schauspieler Tänzer... schweizerischer Nationalität fördern.
Der Zufall hatte weiterhin seine Hand im Spiel und Caspar Brötzmann traf seine Wahl:
CASPAR BRÖTZMANN guitar – D
MICHAEL WERTMÜLLER drums – CH
DANIEL LIEDER voice – CH

Guarda caso –
Damit spielen zwei weitere Schweizer am Festival, die Ihnen vermutlich bestens bekannt sind.
Michael Werthmüller CD
Werther/Wittwer
http://www.shef.ac.uk/misc/rec/ps/efi/labels/grob/grob204.html

Sind es also 4 Musiker schweizerischer Provenienz, die Sie fördern könnten.

In dem hier entbrannten Quotenstreit weisen wir stolz darauf hin, dass WERNER LÜDI kurz vor seinem Tod am 2.6.2000 mit dem Trio seiner Wahl PETER BRÖTZMANN und SHOJI HANO in Poschiavo Cinema Rio aufgetreten ist.

IMPRO SZENE
la ciaf ist der Auffassung, dass es sinnvoll ist
• zeitgenössische
• internationale = unabhängig von der nationalen Zugehörigkeit
• live Musik zu vermitteln – und zwar überall, u.a. im Puschlav.
Es wird kaum zur Kenntnis genommen dass JAZZ + IMPROVISIERTE MUSIK wesentliche Bestandteile zeitgenössischen Musikschaffens sind.

Das Festival fand 1999 zum ersten Mal statt und hat in der Folge bereits Wurzeln geschlagen und eine lokale Fangemeinde begründet. Siehe Resoconto.

Die Vorstandsmitglieder des aktiven Vereins la ciaf, die teilweise in Poschiavo leben, auch Puschlaver mit nachweislich Eingeborenen Abstammung sind, formulieren mit UNCOOL ein prima Angebot – Felix Kopotek, Köln, Journalist für SPEX und JAZZTHETIK: “Super ausgezeichnetes Festival!“ – das nach ihrem Verständnis sehr wertvoll und gerade im Puschlav absolut vermittelbar ist!

Auch sind die Puschlaver weltoffen und interessiert aufgrund ihrer historisch dokumentierten, bis heute andauernden Aus- und Rück- und Zuwanderung (Nordschweiz, Italien, Europa, USA, Kanada, Südamerika ...). Der Kontakt und Austausch mit der Welt hat immer trotz der Schroffheit der Alpen stattgefunden.

Wir zitieren Regierungsrat Claudio Lardi (PROGRAMMHEFT UNCOOL 1999):
Man wusste es schon immer: Die Puschlaver sind weltoffen.
Seit Generationen sind sie ausgewandert und oft mit Impulsen aus anderen Kulturen ins heimatliche Tal zurückgekehrt. An diese Tradition knüpft das internationale Jazzfestival Uncool an.
Ich wünsche den Organisatoren, dass die Initiative und der Mut, Neues ins Tal zu bringen, zum Erfolg führen wird. Zündende improvisierte Musik soll möglichst viele Einheimische und Gäste zum Swingen bringen. Ich wünsche allen ein “un-kühles” Konzert am Lago di Poschiavo und auf der Alpe Palü.
Claudio Lardi, Puschlaver und Regierungsrat

und den Podestà von Poschiavo Guido Lardi (PROGRAMMHEFT UNCOOL 1999):
Due parole a mo’ di saluto
Poschiavo vanta, ininterrottamente nel corso degli ultimi secoli, una tradizione culturale tutt’altro che trascurabile; grazie ad essa la Valle fu in passato crocevia e veicolo di nuove idee, teatro di passaggi avventurosi, crogiolo di correnti innovative fra il nord ed il sud, punto d’incontro e, spesso, di scontro fra opposte tendenze. Con un pizzico di orgoglio possiamo affermare che la gente poschiavina, seppur ristretta fra montagne impervie e lontana dai luoghi che contano nelle varie gerarchie, mai si è chiusa in sé stessa e – benché guardinga ed accorta come si conviene alla sua natura riservata ed un po’ schiva – mai ha rifiutato le “aperture” anche nei vari campi dello spirito e della creatività artistica.
Sulla scia di questa tradizione ci apprestiamo a dare ospitalità – per la prima volta – ad una manifestazione di genere particolare come il festival Uncool, che indubbiamente offrirà momenti intensi di emozioni in una cornice insolita ed in uno scenario che non teme concorrenza. Non possiamo che rallegrarci nell’attesa di questa inedita parata musicale dedicata al jazz moderno, alla quale guardiamo non senza sentimenti di curiosa aspettativa. Ogni contatto, in specie nei campi più disparati della cultura, è una nuova pagina che la vita ci offre per arricchirci, un nuovo capitolo della nostra esperienza, una nuova sfida per il nostro modo di pensare e di sentire. Siamo grati a coloro che ci offrono, a casa nostra, questa singolare opportunità. Non possiamo che rallegrarci di un programma che promette interpretazioni eccellenti e presenze artistiche di superbo richiamo, fra cui figurano nomi che suonano familiari perfino a chi poco si è occupato – finora – delle moderne forme del jazz; un motivo per tutti per “ripensare” i propri gusti musicali, una buona ragione per occuparsi (quel tanto che basta a chi vuol capire ed apprezzare…) di una forma espressiva poco abituale e diffusa nelle nostre contrade. In quest’ottica il festival vuol essere non solo un richiamo indirizzato all’esterno, ma anche un invito alla partecipazione rivolto alle poschiavine ed ai poschiavini.
A nome della popolazione e delle autorità invio a tutti coloro che Uncool riunirà a Poschiavo a metà maggio un cordiale saluto. Ad esso è unito l’augurio che artisti e spettatori possano cogliere e vivere fra di noi almeno un attimo di novità, una significativa testimonianza dell’identità culturale latina ed un po’ del sapore autentico della nostra cordialità.
Guido Lardi, Podestà di Poschiavo

Ihre Anmerkung, dass diese Musik – “ein ausschliesslich der (ausländischen) Impro-Szene gewidmetes Festival ... zu einseitig ...“ – d.h. nicht die Richtige für die Puschlaver sei, bedeutet – konsequent zu Ende gedacht – dass Sie Jazz, Free Jazz, und Improvisierte Musik wie sie am Festival vorgestellt werden, für unzumutbar halten! – und zwar für jedes LaienPublikum, insbesondere die Puschlaver Bergbevölkerung.
la ciaf ist gegenteiliger Ansicht: DIESE MUSIK VERMITTELT SICH SELBST. Wir vertrauen auf die ursprüngliche Neugier mit der sich Menschen den unbekannten Dingen nähern.

Zum Beispiel einem so phantastischen Orchester wie diesem

The CELESTRIAL COMMUNICATION ORCHSTRA
An orchestra with a varying a geometry formed on a permanent core (20 musicians ) and several guest.
ALAN SILVA came to live in Paris in 1969 . From then until 1972 he devoted himslelf to creating musical events reuniting the greatest musicians passing through or living in Paris under the name of CELESTRIAL COMMUNICATION ORCHESTRA . He has played with this orchestra at the Maison de la Radio, for the Biennial of Paris, at the National Theatre of Paris, for the International Festival of Contemporary Music at La Rochelle, in Royan, Geneva, etc...
He reformed the CELESTRIAL COMMUNICATION ORCHSTRA in 1977, with the goal of having a fixed personnel for the orchestra while always keeping free chairs for musicians visiting Paris. The C.C.O. then appears at Le Palace, La Chapelle des Lombards, Le Petit Forum, the Beaubourg Center during the Festival du Marais, at the Dunois Theatre, at the Humanite Fair (French communist party and newspaper), the Cafe de la Gare, during the First International Jazz Festival of Paris at the Theatre Present, at the Theatre du Lierre, for the printer's guild of Le Monde newspaper, in Douai, etc...
A music tightly prepared in rehearsal and yet very improvisational at the moment of the concert. Dialectic between the composer and the musicians/improvisers/creaters. SILVA composes for specific individuals rather than writing for instruments. The orchestra writes, interpretes appropriates the leader's ideas. In concert, free run for the collective energy. Mass mouvements. Unity. Diversity. Explosion.
Celestrial Communications Orchestra American Edition will perform on May 24. and May 27. 2001 at the Uncool Festival
Title of the composition:
Resolution 557 Improvisation Is A American Treasures
Poetic Vocals: Ijeoma Thomas
Trumpets: Roy Campbell, Raphe Malik, Baikida Carroll,
Trombones: Joseph Bowie, Steve Swell,
Bass Trombone and Tuba: Bill Lowe, Joseph Daley
Alto Saxophone: Marshall Allen,
Tenor Saxophone: Kid Jordan, Sabir Mateen, Francis Wong
Clarinets and Baritone Saxophone: J.D. Perran
Winds: Oluyemi Thomas
Basson: Karen Borca
Contrabasses: Wilber Morris, William Parker,
Percussion: Warren Smith
Piano: Bobby Few
Freeform Improvisations composed and conductions by ALAN SILVA.

Bitte informieren Sie sich auch im WEB bei www.center-of-the-world.de, insbesondere anklicken IMPROVISATION AND SOCIETY und CELESTRIAL COMMUNICATIONS ORCHESTRA.

BUDGET
Wir sind der Ansicht, dass la ciaf - 2 Puschlaver 1 Züchin mit Puschlaver Wurzeln 1 Engadiner 1 Italiener oder 4 Männer 1 Frau - WertArbeit von Fr. 200'000.- leistet. Selbstverständlich haben wir die Hälfte abgezogen, weil die Unterdotierung der Honorare der Organisatoren in diesem Metier die Regel ist. Wobei erfahrungsgemäss - dabei verweisen wir auf ähnliche Festivals wie JAZZFESTIVAL Schaffhausen, JAZZHERBST Konstanz, KONFRONTATIONEN Nickelsdorf, UNLIMITED Wels, JAZZ À MULHOUSE, CANAILLE Frankfurt, ANGELICA Bologna – das eigene Honorar als Defizitpuffer eingesetzt wird und sich dann nach Begleichung aller Rechnungen zu Null und Nichts incarniert hat…

Nicht berechtigt ist Ihre Kritik an der pekuniären Bewertung eines multitasking Teams von 5 Personen, die in einer Vorbereitungszeit von einem Jahr professionelle Arbeit leisten:
• Programmgestaltung + Organisation
• Finanzierung + Sponsoring
• Redaktion + Übersetzung + Graphik + Artwork + Publikation
• Werbung + Vertrieb + Medien
• Internet
• Umweltschutz + Transport
• Integration lokaler schonender Produktionen
• Angebot Schule
• REALISIERUNG.

Die Situation ist folgende:
Annähernd 60% des Aufwandes entfällt auf die SUCHE nach finanzieller Unterstützung.
Die öffentliche Hand tut was sie kann – es ist aber viel zu wenig – zum Vergleich: der Kanton Graubünden gibt nur 2% seines Etat für Kultur aus (SOS 29.9.2000).

Um überhaupt von der Wirtschaft als Werbefläche erkannt werden zu können, müssen diverse Angebote geschaffen werden, denn die Auszeichnung Kultur zu fördern reicht leider nicht. Dh. la ciaf arbeitet auch als Werbebüro in eigener Sache. UNCOOL 2001 rechnet mit einem total Aufwand von gut 3000 Stunden.

Unser Honorar von 100‘000.- Fr. für ein 5köpfiges Team – die zweiten 100'000.- Fr. wurden dem Festival gutgeschrieben und unter Einnahmen verbucht – scheint uns in keiner Weise anfechtbar. Zum Vergleich sei das Entgelt für eine (unerwünschte) Olympia-Promotion (nur Promotion, nicht Realisierung) von Christoffel Brändli von 60'000.- Fr. für 500 Stunden erwähnt (SOS 10.11.2000)

Dass der Aufwand der Sponsorsuche sich solchermassen disproportioniert ausnimmt, ist der herrschenden POLITIK anzulasten, die an der KULTUR - Kern jeder Gesellschaft – spart.
Wahr ist auch, dass die KULTUR unabhängig von Geld und Unterdrückungstendenzen existiert und wahrgenommen wird.

Die Behauptung, das Festival 2001 sei defizitär muss erst noch erwiesen werden – klar ist, dass wenn sich die öffentliche Hand aus ihrer Verantwortung stiehlt, eine kostendeckende Produktion tatsächlich weniger wahrscheinlich wird. In unserem Budget haben wir einen fixen Unterstützungsbeitrag der PRO HELVETIA eingeplant.

MUSIK
MUSIK ist die SPRACHE ist das MEDIUM das die VERSTÄNDIGUNG transportiert.

Musik ist nicht per se national sondern völkerverbindend, da sie über die Qualität der Freude und der Freiheit verfügt und über eine Sprache, die nicht primär durch Wörter kommuniziert wird. MUSIK ist den Menschen und vielen Lebewesen eigen.

WIEDERERWÄGUNG
Aus den angeführten Gründen sind wir überzeugt, Ihre wertvolle Unterstützung für UNCOOL 2001 zu gewinnen. UNCOOL ist ein SüdostSchweizer grenzüberschreitendes Projekt in Realisierung – von Schweizern für Schweizer/Puschlaver, Veltliner und internationale Gäste organisiert mit Schweizer und internationaler Beteiligung.

Wir stehen jederzeit für Informationen zu Ihrer Verfügung und verbleiben


A bon sa vedé

la ciaf
Dr. Cornelia Müller und Cassiano Luminati



An
Pro Helvetia
Abteilung Musik
Herr Thomas Gartmann
Herr Steff Rohrbach
Hirschengraben 22
8024 Zürich

Kopien an
Visuelle Künste
Herr Rudolf Velhagen

Kulturvermittlung
Frau Margrit Bürer

Réseaux-Sud-Nord, Réseaux-Est-Ouest
Herr Thomas Laely

Madrina UNCOOL 1999
Silva Semadeni

Poschiavo, 9. Oktober 2000

Bundì a tüc quanc!

la ciaf hat sich wieder für ein ganz tolles UNCOOL Festival verpflichtet und klopft bei Ihnen und Ihren Kollegen von den Abteilungen Visuelle Künste, Kulturvermittlung, Réseaux-Sud-Nord, Réseaux-Est-Ouest für eine grosszügige finanzielle Unterstützung an.
In dem beigefügten Exposé haben wir für Sie alle wichtigen Informationen zusammengefasst.

MUSIK
la ciaf veranstaltet mit UNCOOL 2001 16 einzigartige Konzerte des JAZZ, FREE JAZZ und der IMPROVISIERTEN MUSIK, die dem kulturellen internationalen Austausch förderlich sind und wertvolle zeitgenössische Schweizer Werke zur Aufführung bringen - Konzerte mit Irène Schweizer (Seite 6) und Pierre Favre (Seite 8) (siehe auch Réseaux-Sud-Nord und Réseaux-Est-Ouest).
la ciaf hat sich dem kontinuierlichen kulturellen Austausch zwischen Regionen und Kulturen verpflichtet (Seite 23) und dies mit UNCOOL 1999, den Konzerten vom 2. Juni 2000 mit Werner Lüdi †, Peter Brötzmann, Shoji Hano (Seite 23) und vom 25. September 2000 mit Olaf Rupp und Extreme Quartet (Seite 21) bewiesen. la ciaf hat gezeigt, dass ihre Veranstaltungen über hohe Qualität (Press Review Web site UNCOOL), hervorragende Organisation und geeignete Infrastruktur (Seite 1) verfügen, mittlerweile auch über ein sehr gutes Renomée (Seite 1) und sogar über ein äusserst interessiertes Publikum (Seite 19, 24) (siehe auch Resoconto Web site UNCOOL).

VISUELLE KÜNSTE
Im Rahmen des Festivals finden in Le Prese-Cavresc und Poschiavo zwei Ausstellungen statt:
Eine sound installation von Cornelia C. Müller (CH) (Seite 17), die von fremden SPRACHEN handelt und eine Video Ausstellung zu MUSIC ART POLITICS MOVEMENT in der Galleria PGI mit Beiträgen der anwesenden Musiker sowie ein im Auftrag von la ciaf realisiertes Video (Seite 22). Ein zweites thematisch assoziiertes Video von NICOLE ADERS (Wien) ist in Vorbereitung.
Auch die umfangreiche Festivaldokumentation - als Spiegel des Festivals gedacht - ist in Form von diversen Druckerzeugnissen (Postkarte, Leporello, Plakat, Programmheft, Heft der Unterstützer) und einer informativen Web site (http://www.uncool.ch) international wahrnehmbar und zeugt von einem durchdachten Konzept von künstlerischer Qualität.
Die einzelnen kulturellen Bereiche ergänzen sich und fügen sich zu einem Gesamtwerk zusammen - komplex und doch sehr deutlich in seiner Aussage.

KULTURVERMITTLUNG
Das UNCOOL Festival 2001 ist geradezu durch seine Vielfältigkeit prädestiniert, kulturelle Werte (durchaus auch im Sinne der Menschlichkeit) zu vermitteln. Dazu trägt bei:
• das reiche internationale Programm (2. Umschlagseite);
• mehrere Workshops geleitet durch gefeierten Musiker für junge Menschen, die ein Instrument spielen (Seite 19);
• die breitgefächerte lokale Informationskampagne, die vom Artikel im Il Grigione Italiano bis hin zum thematisch orientierten Unterricht in den Schulen (Seite 19) reicht;
• für Kinder und Jugendliche (bis 18. Geburtstag) ist das Festival gratis (Seite 19);
• die familiäre Atmosphäre ermöglicht vielerlei bereichernde Kontakte;
• das transnationale spectacooläre biglietto musica (Seite 19), das wenig kostet, und sehr viel bietet: Festival mit 16 Konzerten + Reisen auf der RhB (Schweiz / Italien) zum Umweltschutz-Nulltarif! bis knapp an die Zeltstatt am Lago di Poschiavo (gut zu erreichen, ebenerdig, wenige Minuten von der Station Le Prese).
Und ausserdem:
• la ciaf arbeitet höchst uneigennützig - voller Einsatz zum halben Preis - und ist überdies laut Statuten verpflichtet (zu erhoffende) Gewinne zu reinvestieren in die zeitgenössische Musik und in weitere Festivals (Statuten home page und Defizit 1999 Resoconto Web site UNCOOL);
• la ciaf zeigt im Puschlav - einer Region mit eingeschränkter kultureller Infrastruktur und einer Bevölkerung mit erschwertem Zugang zu kulturellen Ressourcen - dort Nie-Gesehenes und Nie-Gehörtes;
• die Schenkung einer kleinen exquisiten CD Sammlung, eingespielt von Musikern des Festivals UNCOOL 1999 an die Biblioteca PGI in Poschiavo ist ein weiteres Angebot kultureller Vermittlung.

RÉSEAUX-SUD-NORD
Ein Schwerpunkt von UNCOOL 2001 liegt auf amerikanischer BLACK MUSIC (Seiten 2-5, 9-10, 15). Das Festival ist dem Jazzsaxophonisten CHARLES GAYLE gewidmet (Seite 2). Auch spielt in einer für Europa einmaligen amerikanischen Besetzung die Big Band CELESTRIAL COMMUNICATIONS (Seite 5).
Andere Aspekte sind MUSIK und POESIE (Amiri Baraka Seite 4), THEATER (street life Seite 17) und CINEMA aus Afrika (Fragments de vies Seite 18). Das UNCOOL Festival bildet ein vielschichtiges Gesamtwerk, das unbedingt zur Vertrauensbildung, zum Dialog zwischen den Kulturen beiträgt und das Bewusstsein für die spielerische Vielgestalt menschlicher Schöpfung schärft.

RÉSEAUX-EST-OUEST
Im BarZelt in karger industrieller Atmosphäre (Kieswerk am Lago di Poschiavo) haben DJs aus dem Balkan und DJ DELTA aus Berlin Gelegenheit für ein möglicherweise junges Publikum Musik aufzulegen (Seite 17).

NOTA BENE
• Mit dem biglietto musica betreiben la ciaf, die Rhätische Bahn und alle, die zu Fuss, per Rad, zum Festival kommen, UMWELTSCHUTZ insbesondere LUFTSCHUTZ (Seite 19).
• UNCOOL SHARE - die ultimative UNCOOL AKTIE!
• Das UNCOOL Festival wird u.a. unterstützt von den Gemeinden Poschiavo, Brusio und Tirano (I), vom Verkehrsverein / Ente Turistico Valposchiavo, dem Kanton Graubünden, der Pro Grigioni Italiano, Comunità Montana di Tirano (I), Associazione Culturale Altavalle, Sondalo (I).
• Weil das UNCOOL Festival in unmittelbarer Nachbarschaft zu Italien stattfindet und mit der RhB ohne Ausgaben und Probleme von Tirano, Italien aus in kurzer Zeit erreicht werden kann (und mit dem RhB-Nightshuttle! zurück), weil CINEMA und WORKSHOPS in Tirano, Italien veranstaltet werden, bewirbt sich la ciaf mit dem Festival UNCOOL 2001 bei Interegg III.

BUDGET
Das Budget entspricht dem anspruchsvollen Programm und beläuft sich auf CHF 610'000.- (Euro 395’000.-).


Um die Finanzierung des Festivals zu ermöglichen erbitten wir die wohlwollende und grosszügige Unterstützung in Höhe von insgesamt CHF 100'000.- durch die PRO HELVETIA resp. deren angesprochenen Abteilungen.

Wir stehen jederzeit für weitreichende Anfragen zur Verfügung.

Mit den besten Wünschen
und herzlichen Grüssen aus den frisch verschneiten Südschweizer Bergen


A bon sa vedé

la ciaf
Dr. Cornelia Müller und Cassiano Luminati

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