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livestream-mixdown
performance-mix @ www.uncool.ch


la ciaf presents livestream-mixdown of THE SACRED MOUNTAIN PROJECT / uncool 2002 performances earlier this year.
Document/backdrop material will be shown as a performance-mix in full length on this web site:

la ciaf gibt sich die Ehre im Internet einen livestream-mixdown der Konzerte
THE SACRED MOUNTAIN PROJECT / uncool 2002 zu präsentieren, die diesen Sommer stattfanden.
Dokumentar/Projektions Material wird als performance-mix in ganzer Länge auf dieser Web site gezeigt:


30 November 2002
20:00-23:00h mez

performance-mix
Bormio (Europa Italia) - Kuerc, 9 VIII 2002

FREE FORM ENSEMBLE
composition and direction by ALAN SILVA

ALAN SILVA (bass)
ABDELHAI BENNANI (tenor saxophone)
SATO MAKOTO (drums)
JESUS CANNELONI (percussion)
DIETER SCHENK (gongs)
CO STREIFF (alto and soprano saxophone)
TOMI MEIER (bass clarinet)
MARC STUTZ-BOUKOUYA (tenor and bass trombone)
PIERRE ZEIDLER (baritone saxophone, Zeidlerfon)
GYOHEI ZAITSU (butho dance)
MAKI WATANABE (butho dance)
CORNELIA MÜLLER (sound installation "share")
GÖTZ ROGGE (video)
CATHERINE BOURGOUIN (video)


1 December 2002
20:00-23:00h mez

performance-mix
Poschiavo (Switzerland)- Cinema Rio, 10 VIII 2002

FREE FORM ENSEMBLE
composition and direction by ALAN SILVA


OLAF RUPP guitar


rec+mix
götz rogge + jens feld, berlin
with moniglan, berlin


THE SACRED MOUNTAIN PROJECT
Zusammenfassung von Cornelia Müller

Ode an den Heiligen Berg
Der Heilige Berg beginnt unter uns.
Er bildet eine existentielle Energie für die Menschen, die auf ihm leben, ihre Siedlungen bauen, das steile Land bewirtschaften, von der Jagd, der Viehzucht, der Milchwirtschaft, von der Sandgewinnung, dem Strassenbau und von mannigfachem Handel, vom Tourismus, der Elektrizitätsgewinnung aus einst tosenden Bergbächen sowie vom regen Verkehr der Bahn, Bergbahn, Busbetriebe und sogar Autos ein Einkommen haben...

LA MONTAGNA SACRA
Die Alpen wachsen 1 cm im Jahr.
Unter Eis, Schnee, Sonne und Regen erodieren sie und bröckeln – Gesteinsbrocken überfliegen die Berghänge auf elliptischer Bahn, um sich selbst kreisend gleichsam als akustisch visuelles Modell der Erde, schlagen auf und heben kaum gebremst zu neuem Fluge ab.... bis sie gigantisch am Wanderweg lagern...
Gletscher schmelzen hinweg wie Glacé unter der stechenden Sonne, die schon vormittags schmerzt...
Die Bergbäche tragen den glitzernden Sand der Gebirge zu Tale, versprühen ihr köstliches Nass in unwegsamen Schluchten, das Gurgeln der Quellen und weisses Rauschen der Wasserfälle widerhallt von Felsen, Geröllhalden und Lerchen bestandenen Hainen...
Allerlei Alpen Tiere, Vögel, Insekten und Pflanzen bewohnen die wilden Gegenden, die sich in vollendeter Schönheit und Farbigkeit zeigen...

Bormio, Piazza Cavour – 9. August 2002
Er (GYOHEI ZAITSU) geht mit erhobenen Händen durch die Menge, seine Rippen sind zu zählen, der Regen rinnt über seine frierende Haut, die Füsse tasten über die gewölbten Steine... darunter liegt eine Stadt begraben von einem Steinschlag des Berges REIT...

Sie (MAKI WATANABE) liegt in weisslichem Gewand auf dem Kopfsteinpflaster das zarte Gesicht hörend angeschmiegt, träumend, dem Klang nachahmend, bewegt sich fort, kriecht, richtet sich auf, steht, schwebt, dem Regen entgegen blickend, umringt von Menschen unter bunten Regenschirmen...

Die Musik und der Regen – er beginnt zu fallen, bewegt vom Wind... begleitet von der Meeresbrandung, gesungenen Gebeten aus Tibet und Afrika...
Saxophone (CO STREIFF, TOMI MEIER, JESUS CANNELONI, ABDELHAI BENNANI) erklingen, wandern, das Alphorn (MARC STUTZ-BOUKOUYA) singt seinen langgezogenen Ruf über die schräge Fläche des Platzes, auch das selbst gebaute Wasserrohr-Instrument (PIERRE ZEIDLER) stimmt ein mit lockendem Klang...

Element des Wassers, sichtbarer als Luft, Element des Fliessens, der Bewegung... Der Musik vergleichbar, der Stimmen, die sich vermengen, verweben, Bezug nehmen, antworten, meandrieren...
Insektenrhythmen, Affenschreie, Kuckucksrufe, schallende Gongs (DIETER SCHENK), pochende Trommeln (SATO MAKOTO), eine nahe Stimme (ALAN SILVA), Walgesänge...

Auf der Rückwand unter dem schützenden Dach des KUERC – historischer Ort des Rechts und der Gerichtsbarkeit – läuft der Video Mitschnitt (GÖTZ ROGGE), der die Bilder des tanzenden Paares ins Innere projiziert...
Ein zweites Video (CATHERINE BOURGOUIN) entsteht im Innern des Kuerc, wo sich das FREE FORM ENSEMBLE, die Installation der Tierstimmen (CORNELIA MÜLLER) zusammenfinden und ALAN SILVA zeitweise im Sinne einer Free Form Conduction in das musikalische Geschehen eingreift, es in gewisser Weise bündelt, verdichtet und beeinflusst... Free Form Improvisation bedeutet die Erschaffung von wunderbarer Musik durch das freie und gleichzeitig bezogene Spiel des Individuums im Kontext des Orchesters, des Anderen... Die Stimmen der Natur diesmal mit einschliessend...

Alles ist zugegen, alles im Dialog – der Berg, die Musik, die Tiere, die Menschen, das Feuer LI FLAMA DE SAN LORENZ auf Oga, der Wald, die Luft, der Fels, der Regen, das Aufatmen der Natur unter vorbeiziehenden Nebelschwaden...
Die Musikperformance ist eine Geste des Dankes, des Respekts und der Wertschätzung für den Heiligen Berg...


Poschiavo, Cinema Rio – 10. August 2002
FREE FORM ENSEMBLE
Es regnet seit Tagen... Die Wiese in La Rösa ist wadentief unter Wasser. Das Holz für das Feuer lagert inmitten des PALÜDASC - kleiner Sumpf...
Die Girls und Jungs des internationalen Lagers der Legambiente bringen einen Teil des Holzes mit dem Perego Bus nach Poschiavo und bauen im Cinema Rio ein FEUER, eine STUPA, einen Schrein aus den Lerchenlatten, die von Innen beleuchtet zu lodern beginnen. Vom Zentrum der kegelförmigen Konstruktion reihen sich in 4 Richtungen bunte Fahnen mit geschriebenen und gezeichneten buddhistischen Gebeten.
Eine Schöpfungsgeschichte, die mit dem Wellenschlag des Meeres beginnt, dem Gesang der Wale, dem Zirpen der Grillen, dem Schnarren der Frösche, dem Grollen des Tigers, dem Knistern der Shrimps, den Jauchzern der Gibbon, den langgezogenen Lauten der Fische... anhebt mit dem Gesang tibetischer Mönche, dem Ruf des Alphorns (MARC STUTZ-BOUKOUYA), den antwortenden Melodien der Saxophone (CO STREIFF, TOMI MEIER, ABDELHAI BENNANI, PIERRE ZEIDLER), dem Glockenhall kleiner Zimbeln (JESUS CANNELONI), dem Schauer der chinesischen Gongs (DIETER SCHENK), dem Beben der Trommeln (SATO MAKOTO)...
Der Regen fällt, das Feuer ist “entfacht“... Er (GYOHEI ZAITSU) im Lendenschurz steht in der Tür, sie (MAKI WATANABE) nackt in der andern, sie gleiten zu Boden, bewegen sich nah am Boden, tanzen die Erde, tanzen die Vielfalt der Wesen, tanzen Bewegung, die Liebe, die Ferne, das Unbewusste, die Geschichte – Fragmente und glühendes Licht...
Die Tänzerin umschwärmt den illuminierten Miniatur Tannenbaum und das Feuer, das sie versehrte, wäre es echt...

Es heisst: Im Anfang war das Wort – also ein Klang, ein Wohlklang, ein Signal, eine Botschaft, ein Ruf, ein Gesang, eine Musik, eine Stimme, eine Vibration, eine Verständigung...

Aus der Musik entsteht die Bewegung, das Gehen im Kreis um das geschmückte Zentrum, manchmal als lichte Gestalten beleuchtet oder als scharfe Schatten im Gegenlicht...

Der Tänzer wölbt seinen Körper, der sich Füsse voran die Treppe aufwärts bewegt zur Bühne, wo sich nun alle Spieler eingefunden haben... und in ihrem musikalischen Ausdruck den expressiven Gesten ALAN SILVA zeitweise folgen...

Video dokumentieren und projizieren (CATHERINE BOURGOUIN, GÖTZ ROGGE) das Gesehene auf Musiker und Leinwand, bilden dadurch den einen Raum im andern Raum ab, das eine Geschehen überlagert das Andere, taucht es in farbiges bewegtes Licht...

BABYLON – Menschenstimme, Tierstimme, Pflanzenstimme, Wind, Wasser, Regen, Erde, Stein, Feuer, Licht, Luft, Zeit, Raum, Beschleunigung... ENDLICHKEIT...
A LOVE SUPREME von JOHN COLTRAINE

Die beiden Körper der Butho Tänzer treffen sich, einander zugewandt, einander abgewandt, einander an den Händen berührend... Adam und Eva, Frau und Mann...
Alle spielen ihr Lied, sprechen ihre Sprache und im Dialog entwickelt sich eine wundersame Ode an den Heiligen Berg...

Mit Dank an die Pro Bernina Palü, die das Alpen Feuer trotz Regen auf dem Bernina Pass entfachte...


OLAF RUPP am Falò
OLAF RUPP spielt neben dem verdichteten Objekt aus geschmückter Stupa (buddhistischen Schrein), Alpen Feuer und Berg. Seine Gitarre scheint ein Orchester zu sein, in Vielschichtigkeit, Vielfalt und Färbung des Klanges. Es scheint als ob sich die Musik in zwei Richtungen aufbaut, eine fliessend in der Zeit, die Andere als zeitloser Zustand. Wie der Berg so ist die Musik, scharf und überdeutlich wie Felsenriffe, rhythmisch wie Geröll oder atemberaubend wie die Schönheit einer Quelle...

Olaf Rupp:
Meine Musik ist Klangmusik, obwohl sie nur einfache,
unpräparierte Gitarrentöne benutzt. Sie verlangt
vom Zuhörer die Fähigkeit zu fokussieren, es sind
Trickbilder, die in einer bestimmten Betrachtungsweise
plötzlich ein neues, dreidimensionales Bild ergeben.
Manchmal genügen wenige, langsame Töne -
manchmal braucht es viele, dichte Tonketten.
Wer hier Melodiösität oder dort expressive Extase
vermutet, der hat es nicht verstanden. Beides
sind Tongitter die einen dahinter liegenden virtuellen
Klang beschreiben – so, wie die Bildpunkte eines
Zeitungsfotos ein Bild im Kopf erzeugen.
Sozusagen analoge Granularsynthese.
Die Musik wächst aus sich heraus, wie ein Kristall,
ein Baum, wie Feuer, oder die Strudel im Wasser


Errichtung eines buddhistischen Schreins 16. August 2002
Von Puntalta führt ein verschlungener Pfad über von Gletschern geglätteten Fels, vorbei an einer sumpfiger Lichtung, stetig bergan und unvermittelt öffnet sich eine Aussicht in das tiefe besiedelte Tal... Der Weg verläuft durch Wälder mit moosigem Duft, mit skelettenen blanken Baumrelikten und kegelförmigem Tannenbewuchs, verliert sich beinahe in einem lichten Lerchen Hain – dort steht der buddhistische Schrein, STUPA, gebaut auf vorgefundenen steinernen Fundamenten. In seinem Innern bewahrt er ein Gebet, 4 kleine Buddhastatuetten sind zwischen den Steinen verteilt, ein Ast ragt auf und ist mit den 4 schräg verlaufenden Reihen Fahnen in Gelb Grün Rot Weiss Blau geschmückt ... Weitere Fahnen sind zwischen die Bäume gespannt und umfassen den Ort...

Der Blick schweift zur anderen Talseite, streift Alp Grüm und bleibt in schmelzenden Eisspalten hängen, gleitet über frisch freigelegte Felsenriffe, die von weissen schäumenden Wasserläufen durchschnitten sind, und bewegt sich dann aufwärts entlang dem schroffen Abriss zur weissen Krone des Piz Palü...

THE SACRED MOUNTAIN PROJECT fand durch ALAN SILVA auf kontemplative Weise seinen Anfang...


DEMNÄCHST

Die Veröffentlichung der Videotapes in VHS Form, verpackt in einer exklusiven Treasure Box ist in Vorbereitung. Da auch exzellentes Tonmaterial existiert wird die Herstellung von CDs erwogen. Informationen dazu zu gegebener Zeit auf www.uncool.ch.

Eine gute Auswahl an digitalen Fotos (auf CD) von den FREE FORM ENSEMBLE Konzerten, der Stupa und der Berge werden gegen CHF 50 / Euro 34 versandt. Bestellung: cornelia@uncool.ch.


l a c i a f
Cornelia C. Müller



Wilber Morris †

Peter Kowald †